Mittelbayrische: Jedermann mit Witz und Esprit

Montag, 17. Juli 2017

Mittelbayrische: Jedermann mit Witz und Esprit

Andreas Wiedermann inszenierte das bekannte Stück in Straubing in bairischer Mundart als amüsantes Spiel mit viel Witz.

Aus allen Ecken fluten sie herein, über 80 Darsteller, je nach Stand mittelalterlich gewandet in Samt und Brokat die Reichen, in Lumpen die Armen. Die monumentale Reitertreppe hinauf und hinunter zum unteren Schlosshof inszeniert Andreas Wiedermann in Kooperation mit dem Agnes-Bernauer-Festspielverein einen unvergessbaren „Jedermann“, ein amüsantes Spiel voller Witz und Überraschung, eine pittoreske Komödie mit stillen Momenten.

Von Oskar Weber ins Bairische übertragen, gewinnt das mittelalterliche Mysterien-„Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ im Gegensatz zu Hofmannsthals antiquierten Knittelversen eine natürliche Sprachkraft. Akustisch zuweilen zwar schwer verständlich, entwickelt der „Bayerische Jedermann“ durch Wiedermanns burlesk surrealen Regiestil trotzdem eine mitreißende Dynamik. Keine der bekannten Szenen fehlt. Sie gewinnen durch die Effekte ständig wechselnder Perspektiven, Distanzen, choreographischen Tableaus verschiedenster Personengruppen und Personenmultiplikationen an theatralischer Wirkung.

Wende beim Festmahl

In Windeseile baut sich der Plot auf, Jedermanns grober Umgang mit den Armen, die Schmeicheleien der reichen Freunde, die Fürsorge der Mutter. Er steht immer sprachgewaltig dominierend oben, die anderen unten. Gleichzeitig lässt Franz Aichinger diesen Jedermann in den kleinen Gesten durchaus sympathisch erscheinen. Die Wende kommt beim Festmahl, das Wiedermann mit einer gigantischen Tafel als Massenspektakel in Szene setzt, mit venezianischer Maskengrandezza, barocken Feuerwerksspiralen höfisch aufpeppt, und mit witzigen Gstanzln bajuwarisiert. Mittendrin leuchtet Michaela Hofmann als temperamentvolle, sehr moderne schlanke Buhlschaft, mit rothaarigen Locken und grünem Kleid heraus.

Plötzliche Stille, surreales Nachtlicht, der Tod, mit Alfred Jurgasch als Gentleman im Zweireiher hochdeutsch artikulierend, signalisiert das Ende Jedermanns. Was gerade noch als Wahnvorstellung verdrängt, wird Realität. Keiner will Jedermann „auf Roas zum jüngsten Gericht“ begleiten, was Wiedermann in herrlich komödiantische Szenen umsetzt. Die Buhlschaft amüsiert sich sogleich giftgrün auf des Hofes Zinnen mit einem anderen. Die Freunde verflüchtigen sich. Bleibt nur noch der Reichtum, der durch goldene Lichtspiele die Szenerie überfunkelt.

Heiter wie ein Gstanzl

Mammon, von Wiedermann dreifach mit Glitzerhandschuhen und Goldstiefeln personifiziert, degradiert Jedermann zum lächerlichen Hampelmann. Als armselige Hungerhaken können die guten Werke Jedermann kaum stützen, genauso wenig schaffen es die geflügelten Klosterfrauen, die Teufel abzuwehren. Hilflos, durchaus entzückt sind sie den Erotisierungen der drei munteren Teufel, eine abgefahrene Mischung aus Wolpertinger und Sadomaso, hilflos ausgesetzt. Jedermann kommt dem Tod nicht aus. Lässig bläst dieser eine Handvoll Staub in die Luft.

Und dann, welche Abschlussszene! Wildwuchtig wie ein Mysterienspiel, heiter wie ein Gstanzl endet dieser „Bayerische Jedermann“ statt mit der üblichen Himmelfahrt mit einer langen Büßertafel, die sich durch eine kleine Flüsterei Jedermanns in fröhliches „Abendmahl“ à la da Vinci in Weiß verwandelt.

Von Michaela Schabel, MZ

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