Blingbling nicht nur aus dem Fundus

Freitag, 3. März 2017

Blingbling nicht nur aus dem Fundus

Schneiderin Monika Lajtman (l.) hat noch einiges zu tun bis zum Start der Proben im Mai. Fundusverwalterin Assi Hiergeist mit dem personifizierten goldglitzernden „Mammon“ (Benedikt Gröschl).

 

Im Fundus des Agnes-Bernauer-Festspielvereins spielt sich zurzeit Ungewöhnliches ab: Ein junger Mann wird mit goldener Hose, ebensolchem Hemd, weißem Jackett, Gamaschen und künftig auch noch mit einem falschen Goldzahn um die Wette glitzernden Hut ausgestattet. Parallel schlüpft ein 16-Jähriger in ein Leinengewand, streift ein Kettenhemd über und bekommt einen frisch geölten Blechhut auf den Kopf. Geht da mit der Historie wild der Gaul durch? Weiß Gott nicht, die Zügel sind wohlbedacht in weiblicher Hand: Es geht ausnahmsweise nicht darum, sich kostümtechnisch möglichst nah am Mittelalter und der Zeit der Agnes Bernauer zu bewegen. Es geht um den „Jedermann“, das Mysterienspiel nach Hugo von Hofmannsthal, das der Festspielverein zwischen den Festspieljahren heuer im Juli im Schlosshof an der Reitertreppe zehnmal auf die Bühne bringen wird. Mit fast 80 Mitwirkenden. Und jetzt sind die Kostümproben.

Es ist ein prickelnder textiler Cocktail, den Assi Hiergeist, die Herrin über den aberhunderte Kostüme zählenden Festspielfundus, gerade mit Denise Winklmaier mixt. Weitere Zutaten sind frisch in der Faschingssaison zugekaufte Nonnenkleider, wie gesagt Lurexanzug, weiße Handschuhe, Gamaschen und … und… und… Gehörig Blingbling kann hier zum Einsatz kommen, denn es geht um die Welt der Reichen und Schönen.

Und Blingbling findet sich selbst im Agnes Bernauer Fundus, allerdings weit weit hinten. Es sind diejenigen Kostüme, die vor Jahrzehnten dem damals gängigen Festspielgeschmack folgten, aber längst aus dem vierjährigen Turnus ausgemustert sind. Wieder einmal bewährt sich der eherne Grundsatz von Fundus-Herrinnen, wie der meisten Frauen überhaupt: Man sollte nichts wegwerfen, es könnte wieder modern werden. Jetzt kann man manches wieder brauchen, sagen Assi Hiergeist und Denise Winklmaier. Für den „Jedermann“ nämlich.

Zwei dicht behängte, mehrere Meter lange Kleiderständer haben die beiden mit Kostümen aufgestellt für die an diesem Termin einbestellten Akteure. An einem hängt eine Auswahl, die die beiden Fundusbetreuerinnen „im Trockentraining“ schon mal mit sicherem Blick zusammengestellt haben. Auf dem zweiten hängen die Kostüme zur Änderung und an der dritten Reihe hängt beruhigend ein Schild „erledigt“. Angeklammert sind Hüte, federbesetzte Mützen, Handschuhe und Strumpfhosen. Und selbst für Problemfälle wie die statisch aufgeladenen Lurexhosen der allegorischen Figur „Mammon“, was erst bei der Anprobe aufgefallen ist, haben die beiden eine Lösung. „Mit Weichspüler waschen“, ist der Rat von Denise Winklmaier.

26 Sprechrollen sieht der „Jedermann“ vor. Aber fast 80 Festspielvereinsmitglieder haben sich auf den Aufruf hin fürs Mitspielen interessiert, sagt Alfred Jurgasch, 2. Vorsitzender des Vereins. „Das hat uns schon überrascht“, räumt er ein. Dieses Potenzial wollte auch Regisseur Andreas Wiedermann nicht verprellen. Deshalb, erzählt Jurgasch, habe er sich für Mehrfachbesetzungen entschieden, nicht etwa, dass sich Spieler je Vorstellung abwechseln. Nein, die Akteure wechseln innerhalb der Aufführung und geben dem Hofmannsthalschen Schwarz-Weiß-Konzept von Gut und Böse doch einiges mehr an Farbe und Facetten, findet Jurgasch. Und während bei vielen Figuren die Personen wechseln, wechselt bei der Rolle des Todes mehrfach das Outfit. Mit Überraschungseffekt versteht sich. „Wir entwickeln das noch“, sagt er. Ende Mai beginnen die Proben, Textsicherheit wird dann vorausgesetzt. Bis dahin hat Schneiderin Monika Lajtman noch 300 Arbeitsstunden für Änderungen und Sonderwünsche vor sich – so ihre vorsichtige Schätzung.

 
Von M. Schneider-Stranninger

Info

„Der Jedermann“, Mysterienspiel nach Hugo von Hofmannsthal vom Ensemble des Agnes-Bernauer-Festspielvereins unter Regie von Andreas Wiedermann hat am 14. Juli an der Reitertreppe im Hof des Herzogschlosses Premiere. Es folgen weitere neun Aufführungen, immer freitags, samstags, sonntags und mittwochs, 21 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf im Leserservice des Straubinger Tagblatts, Ludwigsplatz 32, Tel. 09421/940-6700.

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