Der Agnes Bernauer Festspielverein feiert seinen 60. Geburtstag!

Sonntag, 17. März 2013

Der Agnes Bernauer Festspielverein feiert seinen 60. Geburtstag!

Am Sonntag feiert der Agnes-Bernauer-Festspielverein Straubing seinen 60. Geburtstag, denn am 17. März 1953 wurde er in der Straubinger Gewerbehalle am Hagen, dem heutigen Theater am Hagen, gegründet. Der Anlass war der Wunsch nach einer festen Organisationsstruktur für die Agnes-Bernauer-Freilichtspiele, die nach ihren Anfängen 1935 und 1936 nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbelebt wurden. Die erste Nachkriegsaufführung 1952 war ein Erfolg geworden, der zur Fortführung ermunterte.

Den ersten Vorstand bildeten Fritz Schefbeck, Karl Pielsticker, Robert Traugott, Willi Lermer, Marcel Oberneder und Rosa Wimmer. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten außerdem Robert Wagensohn und Lutz Burgmayer. In der Präambel der Satzung für den neuen Verein heißt es, Ziel und Zweck sei es „durch Veranstaltung der Agnes-Bernauer-Freilichtspiele die Erinnerung an die geschichtliche Vergangenheit der Stadt wachzuhalten und den Gedanken der Volksbildung und der Heimatpflege sowie das Laienspiel zu fördern“. Diesen Grundsätzen ist der Verein in seiner nun 60-jährigen Geschichte treu geblieben.

Erfolgreicher Anfang

Seine Tatkraft stellte der Verein bereits bei den Werbemaßnahmen für die Spiele 1954 unter Beweis. Da gab es Lautsprecherfahrten in den umliegenden Landkreisen und bis nach Altötting und Schrobenhausen, die Straubinger Haus- und Geschäftsbesitzer beflaggten ihre Häuser in der Innenstadt, ein prächtiger Festzug regte zum Besuch an. Zwar war dann in der Festspielzeit das Wetter regnerisch, doch 16 000 Interessierte aus nah und fern ließen sich nicht abhalten, die Aufführungen mit Fritz Schefbeck als Herzog Ernst und dem späteren Staatsminister Alfred Dick als Herzog Albrecht zu besuchen und mit reichem Beifall zu bedenken. Zu einem großen Publikums- und Medienerfolg wurde auch der Sommer 1960 mit den Spielen zum 25-jährigen Jubiläum des Festspiels. So berichteten zum Beispiel das Bayerische Fernsehen und der Bayerische Rundfund von einer Schülervorstellung am Nachmittag. Das „Straubinger Tagblatt“, stets Begleiter der Spiele, lobte ihn höchsten Tönen die schauspielerische Qualität der Amateurdarsteller, allen voran Fritz Schefbeck, Vereinsvorsitzender und Herzog Ernst. Es war ein schwerer Schlag, als nach der Festspielsaison 1963 Fritz Schefbeck plötzlich verstarb.

Kritik und Veränderungen

Bei allem Beifall im Hof des Herzogsschlosses und in der Presse gab es aber doch seit Bestehen des Vereins Skepsis und kritische Stimmen gegenüber dem Stück. Schließlich war es 1935 von Eugen Hubrich, dem damaligen Kreiskulturwart der NSDAP, als ausgesprochenes und so ausgewiesenes Schauspiel im Sinne der nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologie verfasst worden. Für die ersten Nachkriegsspiele hatte Hubrich zwar die „Agnes Bernauer zu Straubing“ bearbeitet und auch für die weiteren Festspiele Textveränderungen vorgelegt, doch gerade im Hinblick auf die 750-Jahr-Feier zur Gründung der Neustadt 1218 wurde der Ruf nach einer modernen Spielfassung laut. Spielleiter Lutz Burgmayer widmete sich dieser nicht leichten Aufgabe und erntete dafür die Zustimmung eines extra bestellten Gutachters, des Regensburger Oberspielleiters und Dramaturgen Eberhard Kuhlmann. Zum ersten Mal übernahm Hans Vicari die Rolle des Herzog Ernst. Das schlechte Sommerwetter hielt dann viele Besucher fern, nur 14 000 allerdings begeisterte Zuschauer kamen zu den 15 Vorstellungen. Der Agnes-Bernauer-Festspielverein hatte ein beträchtliches finanzielles Defizit zu verzeichnen.

Im Juli 1970 übernahm Anton Floßmann vom bisherigen Vorsitzenden Dr. Hans Ernst die Vereinsführung, 1976 folgte Festspielregisseur Hans Vicari nach. Der Landshuter Intendant Klaus Schlette wurde mit einer weiteren Überarbeitung des Textes beauftragt. 1980 brach eine Regenkatastrophe über die Spiele herein, der gesamte Fundus erlitt schweren Schaden. Doch unter dem neuen Vorsitzenden Reinhold Perlak wurde die Krise überwunden, der Fundus erneuert und eine neue Ära eingeleitet.

Das neue Historienspiel

1984 errang der Festspielverein in einer bundesweiten Beurteilung von Laienfestspielaufführungen unter 140 Bühnen den zweiten Platz. Die Spiele 1989 ernteten ebenfalls großen Beifall. Dennoch stellte der Vereinsvorstand die Weichen für einen neuen Festspieltext, ein Autorenwettbewerb wurde ausgeschrieben, eine Jury aus Funktionären des Vereins und Straubinger Fachleuten gebildet. Schließlich liefen 16 Wettbewerbsbeiträge ein. Zwar wurden drei Preise vergeben, doch brachte der Wettbewerb für die Verantwortlichen kein wirklich befriedigendes Ergebnis, kein neues Schauspiel für die Saison 1995. Deshalb ging der Auftrag für ein Freilichtspiel über die Bernauerin an die landesweit bekannten Kötztinger Autoren und Kulturmanager Thomas Stammberger und Johannes Reitmeier. Es entstand „Agnes Bernauer, ein Historienspiel in fünfzehn Bildern“. Nach intensiver Probenarbeit unter Spielleiter Hans Vicari erlebten Ensemble und Publikum im Sommer 1995 eine Bilderbuchpremiere. Der Kritiker des „Straubinger Tagblatts“ sah eine „neue, vielversprechende Ära“ eingeleitet.

1999 gab es im Schlosshof eine nicht minder erfolgreiche Inszenierung und Aufführung, nun unter dem seit 1996 amtierenden Vorsitzenden Dr. Hubert Fischer. Für das Jahr des 50-jährigen Vereinsjubiläums 2003 wurde Johannes Reitmeier berufen, ein „Freund der opulenten Bilder“, wie er selbst sagte. Und er hielt Wort.

Das Jubiläum feierte der Verein mit einer Ausstellung zur Geschichte des Freilichtspiels, eingerichtet von Erwin Böhm und Werner Schäfer im Ostturm des Straubinger Herzogsschlosses und mit einem großen Festabend im Rittersaal. Der Verlag Attenkofer brachte zum Geburtsfest eine Publikation „Agnes Bernauer in Straubing. Das Festspiel – der Festspielverein“ heraus und eine Vielzahl von Artikeln im „Straubinger Tagblatt“ bereiteten auf das Sommerereignis der Spiele vor. Seit der Gründung im Jahr 1953 war der Agnes-Bernauer-Festspielverein sehr viel mehr als nur ein Verein zur Veranstaltung der Freilichtspiele. Ganz im Sinne der Vereinsziele und Vereinszwecke konnte er Jahr für Jahr auf vielfältige Aktivitäten verweisen. So kam z. B. eine Kurzfassung des Bernauer-Dramas zum 10-jährigen Partnerschaftsjubiläum in Romans auf die Bühne, oder wurde der 550. Todestag der Bernauerin im Jahr 1985 mit einem festlichen Abend im Historischen Rathaussaal begangen.

Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre verdeutlicht den kulturellen Beitrag, den die Vereinsmitglieder über die Spiele hinaus leisten. Da brachten Spielszenen das Schicksal der Agnes Bernauer in Landshut ebenso näher wie in Tittmoning oder Bogen, beim Bayerischen Städtetag in Straubing oder beim Europäischen Kongress der Barmherzigen Brüder. Der Verein verzeichnete Fernsehauftritte und eine „Umrahmung“ beim deutsch-französischen Gipfeltreffen mit Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Sarkozy. Er ließ das Bernauer-Gemälde in der Gedenkkapelle auf dem Petersfriedhof restaurieren und baute die eigenen Fundusräume um. Abordnungen des Vereins fuhren zum niederländischen Königinnentag nach München oder zur Welser Messe, traten bei „Schlaflos“ auf oder leisteten ihren Beitrag zum Bürgerfest.

Nicht zuletzt widmete der Agnes-Bernauer-Festspielverein sich jenem Werk, das innerhalb der so weit gestreuten, zwischen Kitsch, Konvention und Kunst anzusiedelnden Dichtungen zum Bernauer-Stoff eine herausragende Stellung einnimmt: Carl Orffs „Die Bernauerin. Ein bairisches Stück“. 1997 und 2005 inszenierte Hans Vicari dieses tiefsinnige Juwel des Musiktheaters, diese einzigartige Verbindung von Rhythmus, Wort und Musik, von einfacher Schlichtheit und höchster expressiver Dramatik für Schlosshof und Rittersaal. Die Verbindung von Festspielverein und Kammerchor, von Vicari als Regisseur und Gerold Huber als kongenialem musikalischen Leiter erwies sich als Glücksfall. So blieb der hochverdiente Beifall nicht aus.

Und wieder ein neues Stück

Unter der Spielleitung von Johannes Reitmeier, mit neuen Kostümen und neuem Bühnenbild und manchem neuen dramaturgischen Kunstgriff und überraschendem Effekt erwiesen sich die Festspiele des Jahres 2007 wie gewohnt als Publikumsmagnet. Tausende von Gästen aus nah und fern strömten nach Straubing, das Medieninteresse war riesig, nachhaltiger Gewinn zum Beispiel für den Straubinger Stadttourismus darf angenommen werden. Dann die Überraschung: Der Agnes-Bernauer-Festspielverein kündigte für das Jahr 2011 ein neues Stück an, Autor Johannes Reitmeier. Dem über das Südostbayerische Städtetheater Landshut zum Chef des Theaters Kaiserslautern avancierten Erfolgsregisseur war ja der Bernauer-Stoff bestens bekannt – und bestens bekannt waren ihm seine Straubinger Spielerinnen und Spieler, Vorstand und Freundeskreis.

Das Historienspiel von 1995 orientierte sich an den tatsächlichen Ereignissen und entwickelte einen Handlungsfortgang von 1432 bis zur Hinrichtung der Bernauerin am 12. Oktober 1435 und zur Versöhnung zwischen Vater Ernst und Sohn Albrecht im Jahr 1436. Im neuen Historienspiel in zwölf Bildern für die Saison 2011 war die strikte chronologische Abfolge weniger genau erkennbar. Die Liebesbeziehung beginnt im Jahr 1428 und endet mit der Exekution. In die Personentafel neu aufgenommen und damit das historische Geschehen verdichtend wurden Herzog Wilhelm III. und seine lebenslustige junge Ehefrau Margarete von Cleve. Das Liebesdrama, höfische Familiendrama und Staatsdrama reicherte Johannes Reitmeier nun wenigstens ansatzweise um ein Familiendrama im Badhausmilieu an, um die rein literarische Problematik der Entfremdung der Agnes von ihrer eigenen Familie. Herzog Ernst ist aufbrausender und zupackender, Beatrix darf weiterhin ihr Gift versprühen, bei Agnes lässt der Autor einen Wandlungsprozess von der einfachen jungen Frau hin zur selbstbewussten Herzogsfrau sichtbar werden.

In der Fassung von 1995 wechselten sich Bilder aus der Welt des Adels mit Bildern aus dem Volksmilieu ab. Dialekt alternierte mit Standardsprache. Im neuen Stück gab Reitmeier diese verschiedenartigen Sprachebenen auf und verband die beiden sozialen Zonen wieder etwas stärker miteinander. 2011 stand anstelle eines Sprechers, der am jeweiligen Szenenbeginn mit einem kurzen Monolog auf den Kern des Bildes verwies, eine eigene Rahmenhandlung. Bestehend aus Prolog, Epilog und zwölf Intermezzi bestimmte sie wesentlich die gesamte dramatische Struktur des Spiels. Es war der Prozess gegen Agnes Bernauer vor dem Hofgericht, der jede Szene einleitete und Schritt für Schritt die todeswürdigen Vorwürfe gegen die sich wehrende und doch chancenlose Angeklagte formulierte. Am Ende sprach Herzog Ernst selbst das Todesurteil, die Bernauerin wurde zur Hinrichtung gezerrt.

Der 60. Geburtstag

Womit wartet jetzt der Agnes-Bernauer-Festspielverein zum 60. Geburtstag auf? Zunächst nur mit diesem Beitrag im „Straubinger Tagblatt“. Zum Todestag der Bernauerin im Oktober soll es dann noch eine Festveranstaltung geben. Ging die Feierlaune verloren? Nein, der Grund ist ein anderer, für uns Straubinger und die Liebhaber des Bernauer-Stoffes ein sehr erfreulicher: Die Mitglieder des Festspielvereins sind schon wieder voll engagiert und fleißig bei der Vorbereitungs- und Probenarbeit. Im bewährten Zusammenspiel von Festspielverein und Kammerchor Straubing unter der Regie von Andreas Wiedermann und der musikalischen Leitung von Stefan Frank geht es wieder um Carl Orffs „Die Bernauerin“. Aufführungen im Herzogsschloss Straubing vom 26. bis 28. Juli und 2. bis 4. August.

Ein schöneres Geburtstagsgeschenk kann der Agnes-Bernauer-Festspielverein uns und sich selbst nicht bereiten. Man darf gespannt sein, vor allem aber: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und alles Gute für eine hoffentlich weiterhin erfolgreiche Zukunft!

Info

Werner Schäfer: Agnes Bernauer in Straubing. Das Festspiel – Der Festspielverein. Mit einem Beitrag von Hubert Fischer, Verlag Attenkofer/Straubinger Tagblatt, Straubing 2003.

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