Der Mann der Beatrix

Dienstag, 16. Juli 2019

Der Mann der Beatrix

„Hinterhältig und intrigant“ ist Wolfgang Warmdt nur als Pfalzgraf bei den Festspielen

„Hinterhältig und intrigant“, charakterisiert Wolfgang Warmdt seine Rolle in der aktuellen Aufführung des Agnes-Bernauer-Festspielvereins. Er schlüpft in eine neue Rolle, eine historisch verbürgte, die zwar schon bei Festspielen erwähnt wurde, aber noch nie „live“ auf der Bühne zu sehen war. Wolfgang Warmdt spielt einen Ehemann, den der bösen Beatrix, er ist Pfalzgraf Johann von Pfalz-Neumarkt, der tapfere Hussitenbezwinger.

Kurzfristig wurde seine Einführungsszene, bei der seine Rolle verdeutlicht wird, aber vor der Generalprobe gestrichen. Das Stück wäre sonst zu lang geworden. Jetzt muss er gleich ad hoc bei jeder Aufführung klarmachen, wer er ist. „Jetzt platz ich gleich rein ins Geschehen. Aber es wird deutlich, wer ich als hinterhältiger Turnierleiter bin.“ Das dritte Mal ist er schon bei den Festspielen im Herzogschloss dabei. Zwischendrin macht er „andere Sachen“, zum Beispiel die „Wirtshausgeschichten“ oder bei der Inszenierung des „Macbeth“ von Regisseur Andreas Wiedermann. Immer, „weil es eine Gaudi ist“.

Früher war er der Ritter Nothaft, ein Rädelsführer. Zum Festspielverein ist Wolfgang Warmdt „aus Zufall gekommen“. Es fehlten Männer in der Tanzgruppe (die fehlen immer, Interessenten sind daher gern gesehen). Da ist man schon im Adel drin, erklärt er. Da wurde er dann sofort gefragt, ob er nicht auch eine Sprechrolle übernehmen will. „Von null auf hundert, da war ich schon überrascht. Ich wollte als Statist eigentlich einfach mal reinschnuppern.“

Immer wieder die Sache mit dem Text

Das „Hintenrum“ reizt besonders bei Festspielen, erklärt Warmdt und meint damit, was hinter der Bühne oder zwischen den Auftritten passiert. Man spürt die Gemeinschaft, wenn man sich zwischen den Szenen, in denen man auftritt, mit den anderen Mitspielern oder den Helfern unterhält: „Einfach die Herzlichkeit“

Das Schlimmste für ihn ist immer wieder das Gleiche, bei jedem Festspiel, berichtet er: „Dass ich meine, dass ich meinen Text nicht kann, derweil kann ich den, jedenfalls in dem Moment, wenn ich auf der Bühne bin. Aber selbst wenn ich die betrete, zweifle ich, ob ich meinen Text kann.“ Dann kann er aber seine Zeilen – immer. Und man merkt nicht, dass der selbstsichere Ritter oder Pfalzgraf gerade noch ein bisschen nervös war. Jede Aufführung ist eine spannende Sache, für alle Beteiligten, ist er sicher.

Auch im neuen Stück ist seine Lieblingsszene immer noch die Gerichtsszene mit den Rittern. Was ihn freut: Er hat auch durch Publikumsrückmeldungen bestätigt bekommen, dass sich ständig etwas rührt, es kurzweilig ist und die „Leute gar nicht mehr mitkommen mit dem Schaun“. Das gefällt ihm sehr gut. Auch, dass der Adel im Vergleich zu früher nicht mehr so steif daherkommt oder in Reimen spricht: „Die Adeligen sind auch bloß Menschen, das kommt jetzt rüber, das finde ich super.“

Praktisch ist die „Windel“ und groß das Glück

Er genießt aber auch das Volk. In der Badeszene tritt er mit seiner Lebensgefährtin auf. „Das ist praktisch gleich nach der Schlacht, weil ich die Windel, also den Wickel, schon um habe“, er muss nur schnell aus Hose und Hemd seiner Rüstung schlüpfen, schon ist er parat für die Anschlussszene. Das macht nicht nur Spaß, sondern „ist auch ein großes Glück“. Wie andere Familien genießt er dabei auch die Freizeit bei der gemeinsamen Leidenschaft Agnes Bernauer. Obwohl er als Profi auf dem Gebiet viel eingespannt ist mit der Werbung und dem Internetauftritt des Vereins, übernimmt der Pfalzgraf gern noch andere Rollen: Gleich am Anfang des Stücks muss er verlieren, als Landsknecht der Ingolstädter Kampftruppe, später ist er, „weil ich ja aus der Tanzgruppe komme“, beim Adelstanz und später noch im Volk zu finden. Das genießt er, weil man da ganz entspannt sein kann. „Ich kann da mit jedem agieren.“ Und ganz zum Schluss hat er mit anderen großen Männern noch eine tragende Rolle, die keiner sieht, die aber ganz wichtig ist. Er fängt hinter der Bühne die Agnes mit auf, wenn die in die Fluten der Donau geschmissen wird. Dazu, erklärt er schmunzelnd, sei er auch wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Es hieß: „Wolfgang, du bist groß und siehst stark aus, du fängst die Agnes. Das haut zu sechst bis jetzt immer gut hin.“

Quelle: Straubinger Tagblatt vom 16.07.19, Ulli Scharrer

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