„Echte Burgfräulein haben auch genäht“

Donnerstag, 7. April 2011

„Echte Burgfräulein haben auch genäht“

 

Von Ulli Scharrer · Straubinger Tagblatt, 7. April 2011

Neue Kordeln und Perlen für den Adel – 200 Paar Schuhe von 400 sind schon geputzt

Nur das Licht ist ungemütlich, die Frauenrunde dagegen sehr nett. Zu zehnt sitzt das Nähkränzchen an diesem Montagabend unter dem grellen Neonlicht, das die teils filigrane Arbeit doch sehr erleichtert. Ehrenamtlich bessern die Vereinsmitglieder den Fundes des Agnes-Bernauer-Festspielvereins auf und lassen mit vielen Perlen und neuen Kordeln Burgfräuleinträume vom schönsten Kleid auf der Bühne wahr werden.

Schwarze, braune, grüne, rote und goldene Kordeln liegen mit viel Nähgarn, Auftrennnadeln und einer Schuhschachtel voller Perlen auf dem Tisch, die Mon Chéri zur Stärkung fehlen auch nicht. Seit Oktober treffen sich die Frauen in loser Runde einmal im Monat, um beschädigte Kleider auszubessern und gleich „noch etwas schöner“ zu machen. Perlen, die in Waschmaschinen abgefallen sind, oder Kleider, deren Samt gelitten hat, werden unter Anleitung von Denise Winkelmeier, der Chefin des Fundus, und Schneiderin Monika Lajtmann in Handarbeit ausgebessert.

Heute werden vor allem neue Kordeln für die Schnürung der Kleider eingefädelt und deren Enden mit Nestelspitzen versehen. Eingeengt wird dabei keine Dame – „zu dieser Zeit gab es kein Korsett mehr“. Und bei den Männern wird „unten rum“ auch etwas geschummelt. Eigentlich müssten Adelige Beinlinge tragen, also Strümpfe mit Strapsen. Auf diese verzichtet man aber gerne zugunsten von ganz normalen Strumpfhosen.

Männer sind beim Nähabend auch dabei, allerdings nicht mit Nadel und Faden, sondern mit ausgemusterten Unterhemden und Bürsten zum Schuhputzen. „Wackere Recken“ aus dem Agnes-Bernauer-Verein haben bereits „rund 200 Paar“ Lederschuhe erst eingefettet und dann auf Hochglanz poliert. Weitere 200 warten noch auf Pflege. Teilweise sind sie seit vier Jahren nicht mehr getragen worden, da trocknet das Leder aus.

Ein bisschen geratscht wird natürlich auch. Die spannendste Frage des Abends: „Wann hat der Reitmeier das neue Bernauer-Stück endlich fertig geschrieben?“ Noch fehlen nämlich ein paar Szenen, für die der Regisseur noch den Text schuldig sei, und auf den ist man schon gespannt.

Stoffe und Borten finden Denise Winkelmeier und ihre Schneiderin nicht nur in Fachgeschäften, sondern auch im Internet bei Ebay, und manchmal eignet sich auch ein Tischläufer, den man zerschneidet, zum Aufpeppen eines Bühnenoutfits. Der genau passende rote Samtstoff für drei neue Pagenkleider muss noch aufgetrieben werden. Die sind dieses Mal „so hochgewachsen, dass bei den bestehenden Leiberln der Popo rausschauen würde“.

Wahllos geht man dabei nicht vor. Vorlagen aus der Epoche der Bernauerin geben die Richtung vor, die Monika Lajtmann und das Nähteam dann umsetzen.

„Sie ist ein Glücksfall für den Verein“, schwärmt die Fundusleiterin über Schneiderin Monika Lajtmann. Sie ist „nach einer Kinderpause“ wieder aktiv im Verein dabei. Angefangen hat sie als 13-Jährige als Page, später war sie Hofdame und – das ist gar nicht so selten – sie lernte beim Festspielverein ihren Mann Christian kennen. 18 Jahre sind sie mittlerweile verheiratet. Ihr Mann hat immer weiter mitgespielt, die gelernte Schneiderin hat wegen der Töchter pausiert. Jetzt sind sie aber alt genug und dürfen auch mithelfen: Melanie und Stefanie werden hinter der Bühne der Agnes Bernauer beim Umziehen helfen. Dort wird auch Monika Laytmann mit Nadel und Faden für Notfälle bereit stehen, um kleine Schäden – „wenn jemand auf eine Schleppe tritt“ oder „man mit den weiten Ärmeln irgendwo hängen bleibt“ – sofort zu richten.

Ein paar der „neuen, alten Kostüme“ waren schon im Einsatz. Zum Beispiel die Kopfbedeckungen für das Fanfarenkorps. Die einstigen Ringe sind nicht wiederzuerkennen. Marille Dietrich hat Kopfteile eingesetzt und Zotteln in dunkelgrüner Eichenlaubform angebracht. Das ganze Team hat sich dann noch um Verzierungen und kleine Glöckchen an den Enden gekümmert.

Rund 20 Kostüme, „hauptsächlich vom Adel“, werden wie Hauben und Hüte „renoviert“. Das freiwillige Nähteam, einzelne sind gar nicht beim Verein dabei, haben viel Spaß dabei. Daheim bessern die meisten selten etwas aus, „nur wenn es sich lohnt“ bei einem Stück, das teuer war. In der Vereinsrunde macht das Handarbeiten aber viel Spaß. Und: „Echte Burgfräulein haben auch genäht!“

Die Neuinszenierung der Agnes-Bernauer-Festspiele 2011 von Regisseur Johannes Reitmeier ist vom Freitag, 24. Juni, bis Sonntag, 24. Juli, zu sehen. Aufführungstage sind Freitag, Samstag, Sonntag und Mittwoch, Beginn 20.30 Uhr. Karten gibt es im Leserservice des Straubinger Tagblatts, Telefon 9406700.

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