Nur der Ausgang der Geschichte ist derselbe

Samstag, 30. Dezember 2017

Nur der Ausgang der Geschichte ist derselbe

Ein Blick in die Glaskugel: Das Agnes-Bernauer-Festspieljahr 2019 ist schon präsent

Es gibt sie zuhauf: Straubinger, die auf den Hinweis „Agnes-Bernauer-Festspiel“ wie aus der Pistole geschossen sagen, „Ja, kenn ich, habe ich schon gesehen – vor ungefähr 30 Jahren“. Die Geschichte der Agnes Bernauer ist in ihrem tödlichen Ausgang unabänderlich, aber erzählen kann man sie auf vielfältige Weise. Und die Erzählweise hat sich seit der Hubrich-Fassung (von 1935 beziehungsweise 1952), die manche Zuschauer in Textversatzstücken noch heute auswendig herunterbeten können, gravierend verändert. Nach zweimaliger Aufführung des Stücks von Johannes Reitmeier (2015 und 2011) sowie viermaliger Aufführung des Stücks von Thomas Stammberger und Johannes Reitmeier (1995 bis 2007) haben 2019 selbst jene allen Grund, sich das Festspiel einmal anzusehen, die bisher glaubten, jede Silbe und jede Gewandfalte zu kennen. Denn 2019 kennen sie bis aufs tragische Ende nichts. Der Agnes-Bernauer-Festspielverein ist mitten in den Vorbereitungen, dann ein Feuerwerk zu zünden: Es kommt ein komplett neues Stück auf die Bühne. Regie führt erstmals Andreas Wiedermann. Es gibt eine neue Kulisse, ein vielfältiges Begleitprogramm für die Festspielwochen und selbst die Rollenbewerbung wird nach einem neuen Modus durchgeführt. Der Vorstand hat uns zum Jahreswechsel schon mal mit in die Glaskugel schauen lassen.

Schon seit einigen Wochen ist das Vorstandsteam um Karl Weber im Festspiel-Vorbereitungsmodus. Dabei hat das Ensemble gerade die Produktion „zwischen den Festspieljahren“, den „Bayerischen Jedermann“, hinter sich. Überaus erfolgreich. Als erstes hat sich Karl Weber – langjähriger Spieler, aber erst seit heuer als Vorsitzender in die großen Fußstapfen von Dr. Hubert Fischer getreten – um den Ort des Geschehens gekümmert. Das Finanzamt als Hausherr und die Staatsanwaltschaft als unmittelbarer Bühnen-Anlieger wollen in Kenntnis gesetzt werden. Und die Immobilien Bayern, die das Schloss verwaltet, wird einen Mietvertrag formulieren. Der Festspielverein muss für die Wochen, in denen er den Schlosshof mit Bühne und Tribüne beansprucht, ganz profan Miete zahlen. Auch den Rittersaal hat Karl Weber schon vorab terminlich geblockt für die Festspielwochen 2019. Und schließlich ist die Tribüne bereits geordert. Die ist mit 1 044 Plätzen die gleiche wie 2015, allerdings sind aufgrund neuer Regelungen die Fluchtwege neu organisiert. Auch mit Licht-, Ton- und Veranstaltungstechnik ist man schon in Verbindung, sagt Schriftführer Rupert Kohlhäufl. Und schneidet ein profanes, aber angesichts dieser Zuschauerzahl nicht unwichtiges Thema an: Bei den Toiletten werde zahlen- und komfortmäßig aufgestockt. Auch hier muss man schon jetzt reservieren. „So viele Anbieter gibt es da nicht.“

Keine Baustelle

Mit einem brauchen die Akteure 2019 wohl nicht zu rechnen: mit einer Baustelle im Schlosshof. Wissen kann man das freilich nicht wirklich, meint das Team mit einem Augenzwinkern. Dass während der Jedermann-Aufführungen die Donauuferpromenade und der Schlossvorplatz aufgegraben sein werden, hat sich schließlich auch erst eher kurzfristig ergeben. Der wegen des bevorstehenden Besitzerwechsels des Karmelitenklosters nötige Fundus-Umzug wird, auch da sind sich die Vorstandsmitglieder sicher, nicht mehr vor den Festspielen 2019 passieren. Der Westturm des Schlosses müsse dafür erst saniert werden. Und da fehlt es weit. Ein Teil des Schloss-Ostflügels sei zudem zugesagt. Aber auch der muss erst fundustauglich gemacht werden.

Söder als Schirmherr

Ein Brief ist an den designierten bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder auf dem Weg. Er hat bei der Verleihung des Heimatpreises an den Festspielverein (wir berichteten) spontan zugesagt, die Schirmherrschaft 2019 zu übernehmen, erzählt Karl Weber. Neben den Bernauer-Akteuren sind bei dieser Preisverleihung auch die Plattlinger Nibelungen und die Landshuter Hochzeiter zum Zug gekommen, die dann allesamt dem Beispiel der Straubinger folgten, die als Erste an diesem Abend die Gunst der Stunde nutzten und die Schirmherrnfrage stellten. Jetzt muss Söder wohl dreimal den Schirmherrn geben. Er hatte vorsorglich vorausgeschickt, „egal in welcher Position“.

Nebenbei war das Thema Catering Gegenstand der zurückliegenden Vorstandssitzungen. Der Vorplatz vor dem Schloss soll dabei einbezogen werden, „wenn der Brunnen bis dahin fertig ist“.

Ein Anliegen ist dem Festspielverein seit langem, Straubing und die Straubinger mehr einzubeziehen und mit dem Festspielvirus zu infizieren. Dazu sollen heuer weitere Akteure, Gruppen, Vereine und Institutionen motiviert werden, sich an einem Rahmenprogramm jeweils in Eigenregie zu beteiligen, sagt der stellvertretende Vorsitzende Alfred Jurgasch. Das Spektrum könnte von Konzerten, Kunstausstellungen bis zu gastronomischen Angeboten reichen. Synergieeffekte für das Stadtmarketing inclusive. Der Festspielverein will eine Ausstellung beisteuern, die als Zeitreise in frühere Festspieljahre vermittelt, wie man jeweils das Festspiel historisch und theatralisch verstanden hat. „Wir suchen noch einen Kurator, der sich darum kümmert“, berichtet er von „ersten Gesprächen“.

Fahnen vom Stadtturm

„Ein Traum“ wäre in den Augen von Spielersprecherin Claudia Griessl, wenn während der Festspielsaison wie in den sechziger und siebziger Jahren Fahnen am Stadtturm flattern könnten. „Wenn ein Schleiferl zum Geburtstag möglich ist, müsste doch auch das möglich sein“, meint Alfred Jurgasch. Frühere Anfragen wurden jedoch aus technischen und versicherungsrechtlichen Gründe abgelehnt. Fahnen vor dem Herzogschloss wären ein Anfang. Fahnenmasten könnten schließlich auch für andere Veranstaltungen genutzt werden, argumentieren die Vorstandsmitglieder. Aber nicht nur das Drumherum, vor allem auch die Neu-Inszenierung selber kommt in die Gänge. Das Vorstandsteam ist „in der Feinplanung“ für die Rollenausschreibung an die Mitglieder. Wünsche können ab Mitte Januar formuliert werden – nach einer Sprech- oder Statistenrolle oder auch als nicht minder erwünschte Helfer hinter den Kulissen. Erstmals kann man sich nicht für eine bestimmte Rolle bewerben, also nicht um den Herzog Ernst oder um Agnes oder Albrecht. „Man kann sich nur für eine Hauptrolle generell ins Spiel bringen“, sagt Alfred Jurgasch. In Landshut sei diese Gepflogenheit lange bewährt. Ab April sollen dann Castings stattfinden. Und am 17. Mai 2018 soll das Herzogspaar der Festspiele 2019 im Wappensaal der Öffentlichkeit präsentiert werden – mit Pauken und Trompeten. Das Herzogspaar wird „das Gesicht“ der nächsten Festspiele und bis dahin offensiv dafür werben, so die Strategie.

Die weiteren Rollen werden Zug um Zug im Laufe des Jahres besetzt. Basis dazu ist das Rollenverzeichnis, das bis Ende Januar voraussichtlich vorliegen wird. Spielleiter des Festspiels 2019 ist Andreas Wiedermann, Profi-Regisseur, der in der Region und weit darüber hinaus einen klingenden Namen und von den Plattlinger Nibelungen her auch Festspielerfahrung hat. Mit dem Agnes-Bernauer-Festspielverein verbindet ihn eine jahrelange äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit. Er führte Regie bei den beiden zurückliegenden Bühnenproduktionen „zwischen den Festspieljahren“, bei Orffs „Bernauerin“ 2013 und beim „Bayerischen Jedermann“ 2017. Wiedermann ist die Wunschbesetzung des Vereins für diese Mammut-Aufgabe, sagt Claudia Griessl. Der Regisseur hat sich jedoch ausbedungen, nicht aufwärmen zu müssen, sondern frisch zu kochen. Johannes Reitmeier hat in seiner Fassung alte Zöpfe abgeschnitten, Andreas Wiedermann wird neuerlich zur Schere greifen. Deshalb kommt, um das länger abstinente wie das treue Publikum in den Schlosshof zu locken, ein völlig neu geschriebenes Stück auf die Bühne. Sterben wird sie trotzdem, die Agnes, obwohl es nicht erst seit „Schwimm Agnes, schwimm“ literarische Versionen gibt, in denen sie davonkommt.

Interessant bleiben

„Wir möchten interessant bleiben.“ Früher, sagt Alfred Jurgasch, in den sechziger und siebziger Jahren, sei für das Publikum wichtig gewesen, dass die Geschichte immer gleich erzählt wurde. Der optische wie textliche Wiedererkennungseffekt sei der Erfolgsfaktor gewesen. Längst sei das anders, das Publikum sei satt und auf der Suche nach Neuem, Überraschendem.

Teja Fiedler ist der Verfasser des Stücks 2019. Der ehemalige Auslandskorrespondent (Jahrgang 1943) und Autor erfolgreicher Bücher wie „Gebrauchsanweisung für Niederbayern“ erscheint allen Beteiligten als die geeignete Edel-Feder. Schon im Enstehungsprozess der Textfassung steht der gebürtige Plattlinger, der seit langem in Hamburg lebt, in enger Kooperation mit Andreas Wiedermann. „Eigentlich“, sagt Alfred Jurgasch, „ist es eine Autorenschaft von beiden“. Wiedermann lege fest, wie er sich die Rollen vorstelle, Fiedler formuliere. Eines der dem Verein vorliegenden Stücke aus dem Autoren-Wettbewerb vor der Reitmeier-Fassung zu verwenden, wäre mit einem Riesenaufwand verbunden gewesen, sagt Karl Weber. Hier hätte man umarbeiten, auf zeitgemäßes Niveau bringen oder gar mehrere Versionen mischen müssen. Das wiederum hätte rechtliche Fragen aufgeworfen. Johannes Reitmeier jedenfalls sei dem Verein weiterhin eng verbunden und habe sein Wohlwollen signalisiert.

Keine Reime mehr

Dem Vorstand liegt bisher nur ein Exposé des Stücks vor. „Es konnte überzeugen“, sagt der Vorsitzende. Natürlich werde die Geschichte nicht neu geschrieben, sagt er, aber neu strukturiert und auch völlig anders begonnen. Auch die Gerichtsverhandlung werde wieder Eingang finden. Und es wird nicht mehr in Reimen gesprochen. Es gibt Musik. Und der Adel werde nicht mehr gar so statisch charakterisiert. „Ein Blick hinter die Fassade de Höfischen“, macht Alfred Jurgasch schon mal Appetit und verrät auch, dass das Bühnenbild weiter reduziert werde und man sich auf das Schloss als natürliche Kulisse zurückbesinnen werde. „Zurück zu den Wurzeln.“ Schließlich sei dieser Spielort unverwechselbar.

Spannung erzeugen und halten. Dafür hat der Festspielvereinsvorstand eine Fülle an Ideen. Als eine wegen des Multiplikatoreneffekts nicht zu unterschätzende Gelegenheit sieht das Ensemble den bereits am 12. Januar bevorstehenden Bayerischen Gästeführertag in Straubing, bei dem man – mit Blick auf das Festspieljahr 2019 – mit dem tragischen Schicksal der Agnes Bernauer vertraut machen will. Messen und Veranstaltungen auswärts sind ebenso Plattform wie die 2018 bevorstehende Feier „800 Jahre Neustadt Straubing“. Beitrag des Festspielvereins wird ein Schlossfest, das sich parallel zum Bürgerfest vom 22. bis 24. Juni über drei Tage erstreckt. Ritterkämpfe, Musik, Tanz und allerlei weitere Ablenkungen aus der höfischen Welt werden dabei einer noblen Tafelrunde präsentiert. „Ein Spiel im Spiel“, verspricht Alfred Jurgasch dem Publikum einen Besuch „wie bei Herzogs im Wohnzimmer“.

„Da bin ich aber gespannt.“ Das wünscht sich der Vorstand als Reaktion des Publikums für die 2019 bevorstehende Uraufführung. Am 21. Juni 2019 ist Premiere. „Ein Riesenprojekt, ehrenamtlich gestemmt. Immer wieder eine Herausforderung, ganz unabhängig davon, ob das Stück neu ist oder nicht“, sagt Karl Weber. Der Eindruck täuscht nicht: Die 475 Mitglieder des Festspielvereins scharren schon voll Tatendrang mit den Hufen.

 

Quelle: Monika Schneider-Stranninger – Straubinger Tagblatt vom 30.12.2017

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