Männer fürs Grobe mit Herz und Schwert

Donnerstag, 4. Juli 2019

Männer fürs Grobe mit Herz und Schwert

Die vier Ritter von Batavis Gladii sind bei den Bernauer-Festspielen „überall einsetzbar“

Sie töten, verurteilen ungerecht und lassen es in der Baderstube bei Wein und Weib krachen. Die Männer fürs Grobe mit Schwertern haben dafür nicht nur die Kraft, sondern auch das Herz und die Liebe zum Detail. Alle vier Ritter, wie sie im Herzogschloss genannt werden, sind dabei „echt gute Freunde“ und eine große Unterstützung für den Agnes-Bernauer-Festspielverein geworden. Die Männer vom Passauer Mittelalterverein Batavis Gladii stellen bayerische Söldner Ende des 14. Jahrhunderts dar, die die Herzogin Johanna von Flandern, eine historisch belegte Person, begleiteten. Aktuell begleiten Michael, Martin, Sebastian und Roland die Agnes viermal in der Woche auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung.

„Das Wichtigste ist Wasser“, erklärt Michael Wallner. Logisch, denkt man sich da, wenn man unter Kettenhemd und Rüstung noch mehr schwitzt als in Zivil. Er trinkt aber nur zwei Schluck aus seiner Eineinhalb-Liter-Flasche, den Rest schüttet er beherzt über seinen Gambeson. Das schwere dicke gesteppte Leinengewand trägt der Ritter unter der Rüstung, zum einem, dass die nicht drückt, zum anderen, um Schläge abzufedern. „Was da schon drin ist, das muss ich nicht mehr reinschwitzen“, erklärt er die Aktion. Seine Ausrüstung sei aber mit zehn bis zwölf Kilo „eher leicht“, aber allein der Helm wiegt schon drei Kilo. Noch umfassender ist sein Freund Martin Keilberg gerüstet, er wird in zehn Minuten 35 Kilo schwerer sein.

Vor einem Jahr, beim Lagerleben des Festspielvereins beim Bürgerfest, hatte die Stadt die Bataven zusätzlich eingeladen. Man knüpfte erste Kontakte. Als dann aber Karl Weber als Festspielvereinsvorsitzender Michael Wallner mit dem Satz „Ich muss mal mit euch reden“ zur Seite zog, dachte der erst mal, „hoffentlich haben wir hier nichts falsch gemacht“. Das Gegenteil war der Fall, Weber suchte Verstärkung und zwar Kampftrainer für Schwert und Schild, weil „Agnes 2019“ mit der großen Schlacht von Alling beginnt. Kein Problem für die Ritter, die dann „auch irgendwie und schnell ein paar Rollen im Stück“ bekamen.

Große Plastikkisten, die man zum Beispiel aus Metzgereien kennt, schleppt jeder zwei Stunden vor Spielbeginn an. Der eine braucht sogar eine Sackkarre, weil er so viele Rüstungsteile besitzt. Ritter-Ausrüstung kann man „wie im Otto-Katalog bei einschlägigen Werkstätten bestellen“, die beste Schmiedekunst kommt da aus Tschechien, Polen oder England. Je nach Preisklasse, und das ist so wie im Mittelalter, kann man sich aber auch Beinschienen, Brustpanzer, Helm oder andere schützende Dinge maßgeschneidert, oder vielmehr maßgeschmiedet kaufen. Oder man schaut auf Mittelaltermärkten oder kauft gebraucht bei Freunden oder im Internet.

Einstieg war für Michael die Faszination an Geschichte, besonders der des Mittelalters. Einen Römer stellt er aber auch noch detailgetreu nach. Zum Hobby gehört viel zu lesen. Die Fachliteratur ist spannend, aber noch interessanter wird es, die Zeitepoche des 100-jährigen Krieges mit einer möglichst exakten Darstellung wieder aufleben zu lassen. Wie lebt man in der Kleidung, wie schwingt man ein Schwert richtig? Neben dem Schaukampf fürs Publikum sind sie auch im echten, im Wettbewerbskampf versiert.

Martin kam vor einem Jahr nach Bayern und damit zu Batavis Gladii und brachte aus Zwickau Japan mit. Lange Zeit hat er sich für japanische Schwertkampfkunst interessiert und das auch trainiert. Und da die Bataven auch aktiv kämpfen – zur Show und im Wettkampf, war er dabei.

 

 

Waffenbrüder und dann auch gleich noch zu Freunden wurde man mit den Spießknechten und Bauern-Soldaten des Festspielvereins bei den ersten Trainingsstunden für die Schlacht bei Alling. „Das ist schwierig, mit Sachen, mit denen man sich gegenseitig umbringen will, gleichzeitig sicher und authentisch zu agieren“, erklären die beiden Ritter, zu denen gerade die zweite Hälfte des Teams, Sebastian Danner und Roland Kappelmann – beide bestens gewappnet – stößt.

Michael hatte in einem Schultheater einmal eine Doppelrolle „Großvater und Lausbub“. Markus war auch zuletzt in der Grundschule auf einer Bühne gestanden. Theatererfahrung und auch solche für Auseinandersetzungen bringen sie aber von ihrem Beruf mit. Beide sind Einsatztrainer bei der Polizei, wo man für die Kollegen in der Ausbildung öfter einen „aggressiven Störer“ darstellen muss. Das kennen die anderen beiden auch, die sind zufälligerweise auch bei der Polizei. Jeder Schauspieler, ob Profi oder Laie, spielt gern mal einen Bösen, „weil man da anders drauf sein kann als wie im Alltag“. Das können die vier unterstreichen, grinsend mit dem Zusatz, dass sie wirklich wissen, wie böse Buben drauf sind. Außerdem geben sie anerkennend in Richtung ihrer Mitspieler zu, dass es viel leichter sei „einen Täter zu spielen, als ein Opfer“. „Ein Fiesling hat einfach oft mehr Macht.“

Sie hätten sich das Theaterspielen schon etwas anders vorgestellt. Zum einen hätten sie nicht gedacht, dass es mit den neuen Freunden gleich so viel Spaß macht, zum anderen, dass es für sie wirklich anstrengend wird. Bei einem Lagerleben hat man Zeit und Knappen/Helfer und schält sich so bis zu einer Viertelstunde aus seiner Rüstung. Ganz anders beim Festspiel. Nach der Schlacht sind alle vier gleich in der Badeszene mit dabei. Und die ursprüngliche Dialogzeit nach der Schlacht wurde zusammengestrichen. Jetzt muss man innerhalb von einer Minute allein aus seiner Rüstung kommen. Eine sportliche Herausforderung. Die Ritter haben dazu das Anbringen ihrer Rüstung etwas modifiziert und nehmen die Herausforderung sportlich. Die Vielseitigkeit der Bataven haben auch die Mitspieler und Regisseur Andreas Wiedermann erkannt. Badeszene und Richterrollen als Ritter sind noch dazugekommen. Außerdem sind sie so stark, dass sie den Raubritter Münnhauser aufknüpfen können – nach außen hin martialisch, mit Klettergurt unter dem Kostüm gesichert. Sie sind auf den Geschmack gekommen, Ritterschlachten schlagen sie öfters, aber das Mitwirken bei der Richterszene, wenn schicksalshaft die Agnes gefesselt und verurteilt wird, hat sich bei manchem zur Lieblingsszene entwickelt.

Hinter der Bühne erlebt man sie dann wieder als Freund und Helfer, die die Agnes auffangen, wenn sie in die Donau geschmissen wird, oder sind sonst zur Stelle, wenn man jemanden braucht. Dass sie als Ritter aus Ingolstadt in der Eröffnungsschlacht des Stückes den Rückzug antreten oder sogar sterben müssen, macht ihnen nichts aus. Das richtige Hinfallen haben sie gelernt – „schöner sterben ist die Devise“, erklären sie schlitzohrig. Das kennen sie aus freien Feldschlachten mit anderen Reenactment-Darstellern. Voller Lob sind sie für die Kämpfer des Festspielvereins. Die haben schnell sicher gelernt und man sei wirklich herzlich – auch von allen anderen – aufgenommen worden. Ein großes Dankeschön geben die vier auch an ihre Familien, die jetzt viermal in der Woche auf sie verzichten müssen. Die Dienstabteilung spielt auch mit.

Jetzt müssen sich die vier aber für die Schlacht rüsten – gegenseitig in die Rüstung helfen und jeweils einen halben Liter Wasser trinken. Bei beiden Aktionen gilt: sichere Vorbereitung für eine heiße Schlacht im Herzogschloss.

Info

Den Mittelalterverein Batavis Gladii kann man auch buchen für verschiedene Veranstaltungen, mit oder ohne Folterkammer und Feuerschau. Infos dazu oder zum Verein gibt es unter www.batavisgladii.de.

Quelle: Straubinger Tagblatt, 04.04.19, von Ulli Scharrer

Agnes Bernauer Festspiele 2019 – Tickets selbst ausdrucken

Genußkarte: Dinner-Spezial im Klarl an jedem Aufführungstag ab 17:30 Uhr.

Straubing Talismann


Spendenaktion für die Jugendarbeit des Festspielvereins
www.straubing-talisman.de

Straubinger Rathaustaler


Unterstützen Sie den Wiederaufbau des historischen Rathauses!
www.straubinger-rathaustaler.de

});
Tickets hier kaufen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen