Neu, ne echte Agnes-Karriere mit Überlebensgarantie

Donnerstag, 21. Juli 2011

Neu, ne echte Agnes-Karriere mit Überlebensgarantie

Straubinger Tagblatt, 21.07.2011, von Ulli Scharrer

 

Aktuelle Bernauer-Inszenierung geht mit neuen Rollen mehr in die Tiefe, und alle lieben es, böse zu sein 

OK. Das Ende ist immer gleich! Muss es ja auch sein. Weil, wenn die Agnes überleben würde, wäre die Liebesgeschichte doch schon längst vergessen worden. Die neue Inszenierung bietet aber mit neuen Rollen mehr Einblicke in die Abneigungen und Intrigen, gegen die Freya Hüpf und Franz Aichinger als Agnes und Albrecht bestehen müssen. Denn (fast) alle sind böse Charaktere und gegen die Agnes.

Anna Lummer freut sich über das Privileg, eine der neuen Rollen spielen zu dürfen. Praktisch daran ist nämlich auch, „dass man nicht verglichen wird“, weil vorherher gab’s den Charakter nicht. Ihre Rolle ist ihr klar: „Die ist schon sehr selbstbewusst, die Margarete von Cleve, die hat schon gewusst, dass sie Herzogin ist und Geld hat.“ Ihr gefällt das Böse an ihren Bühnenauftritten, Herzogin Margarete mag nämlich weder die Agnes noch die Beatrix. Neben der standesbewussten Hauptrolle schlüpft sie auch in Statistenrollen im Wirtshaus beim Volk oder als Magd in der Badestube macht sie eine gute Figur. Ein Job, den sie von früheren Festspielen kennt. Anna Lummer ist also eigentlich eine echte Agnes. Besser sogar. Sie hat es von der Bademagd zur Herzogin gebracht, die überlebt. Und, eine Umfrage unter den Edeldamen und Redaktions-Kolleginnen hat ergeben: Sie trägt das schönste Kleid!

Neue Rollen sind Vorteil und Nachteil

Ihr zur Seite als Gemahl steht Willy Lüdeking. Der zweite Vorsitzende des Vereins hat auch abseits der Bühne viel zu tun, hat aber dennoch viel Zeit gefunden, vieles über Herzog Wilhelm, den Bruder von Herzog Ernst, herauszufinden. „Er war mehr ein Diplomat“, resümiert Lüdeking über seine Rolle, der natürlich mit der nicht standesgemäßen Heirat seines Neffen eine Chance für seinen Nachwuchs sieht. Die Regieanweisung „noch schärfer und grantiger zu spielen“ hat er daher gerne aufgegriffen. Auch er sieht den Vorteil, mit einem ganz neuen Charakter nicht verglichen zu werden. „Allerdings weiß man auf der anderen Seite bei den ersten Proben nicht, wie sie angelegt ist.“ Die Frotzeleien, dass er sich in seiner Rolle eine 17-Jährige als herzogliche Ehefrau geholt hat, trägt er gelassen: „Meine Frau versteht das.“

Carmen Hartmannsgruber sticht auch in Nebenrollen als Schauspielerin heraus. Die Ex-Agnes wurde zu ihrer Schwester und hat Spaß daran, „endlich mal eine Böse spielen zu dürfen“. Da macht es ihr auch nichts aus, Füße in der Badstube massieren zu müssen. Jedenfalls nicht, wenn die Badegäste „so nett wie der Stefan sind“, der ihr die Zehen entgegen strecken darf. Entspannter findet sie heuer die Festspiele im Gegensatz zu 2007. Als Hauptdarstellerin hatte sie mehr Druck, „dafür jetzt mehr Zeit zum Ratschen“, lächelt sie kokett: „Man kriegt vieles auch hinter der Bühne wieder intensiver mit“, urteilt sie. Carmen Hartmannsgruber sieht die Regina, die ihre Schwester Agnes beschimpft, nicht als deren Feindin: „Sie ist enttäuscht, dass ihre Schwester sie alleine in der schäbigen Badestube zurückgelassen hat und sie ahnt, dass es Agnes schlecht ergehen wird.“ Die neue Rolle hat also ihren Reiz. „Mal die andere Seite der Familie“, schmunzelt sie über ihre neue Rolle, und mit ihrem Papa ist sie sehr zufrieden: „Der spielt super!“

Endlich die Anmeldung nicht verpasst

„Für mich wäre jede Rolle neu gewesen“, schmunzelt dieser. Alfred Jurgasch spielt nämlich zum ersten Mal mit und Regisseur Reitmaier hat ihm gleich einen neugeschaffenen Charakter verpasst. Jurgasch ist Casper Bernauer, der Vater von Agnes und Regina. Jede Rolle wäre dem begeisterten Theatermenschen recht gewesen – und jede wäre neu für ihn gewesen. Ist er doch froh, dieses Jahr nicht den Anmeldetermin wieder einmal verschwitzt zu haben, wie er grinsend gesteht. Und so steht er als erfahrener Laineschauspieler zum ersten Mal bei den Festspielen mit auf der Bühne. Auch ihm gefällt es, dass der Vater der Bernauerin eher ein Böser ist, denn: „Die bleiben eher hängen als eine schöne Rolle.“ Aber eigentlich sieht er den Caspar mehr als einen, der halt viel grantelt und schreit, weil ihm das Leben und die Sorgen um seine Tochter so zusetzen. Der Bernauer wird in der Badeszene arg gebeutelt, geschubst und schließlich zu Boden geworfen. Das gab bei den ersten Proben blaue Flecken. Mittlerweile ist aber alles gut einstudiert, „weil jeder weiß, wo er hinlangen muss“. Jurgasch ist selbst Theaterregisseur, zum Beispiel bei der JVA-Theatergruppe der Gefangenen. Reingeredet hat er daher nicht in seine Rolle. Der Regisseur, also Reitmaier, hat das Sagen, betont er. Allerdings war es schon schön, dass dieser wenig Änderungen hatte bei dem Casper, den Jurgasch ihm präsentierte.

Zum Ratschen bestochen worden

Nicht direkt neu, aber wieder nach langer Zeit dabei, sind die Rollen der keifenden Aicherin und des feixenden Raubritters Münnhauser.

Karin Fischer spielt herrlich die Aicherin, eine bezahlte Ratschkattel, die Werbung macht für die Agnes. „Schon eher eine Verruchte“, urteilt sie über ihre Rolle. „Sie ist mehr als ein Ratschweib, schon eher eine Volksaufhetzerin.“ Eigentlich war es ihr egal, in welcher Rolle sie dieses Jahr mitspielt. Nur dem Volk wollte sie unbedingt treu bleiben. Adelsrollen müssen nicht sein. Eine neuer, wiederentdeckter Charakter macht ihr aber besonders viel Spaß. Und nicht nur das Festspiel sei großartig, sondern auch die Atmosphäre im Verein hinter der Bühne, mit Leuten, die man nach vier Jahren wieder trifft und denen, die man neu kennenlernt.

Gerd Lex wird als Raubritter verfolgt und in den Kerker geworfen, er ist ein erbitterter Gegner der Badedirn. Er genießt die Aktion in seiner Rolle, darf er doch auch kämpfen und raufen und ein bisschen ordinär sein. Zum Glück gibt‘s Knieschoner, weil Weichbodenmatten liegen nicht aus auf der Bühne. Als ehemaliger Fußball- und Eishockeyspieler und trainierter Läufer hat er aber keine Konditionsprobleme und blaue Flecken steckt er schnell weg. Und Lex verrät am Schluss noch, warum alle Schauspieler lieber eine bösen als einen guten Charakter spielen: „Man schlüpft ja dann in eine Rolle, die man selber gar nicht ist. Und es macht Spaß sich auf der Bühne anzukeifen, vor allem mit einem, den man mag.“

Straubing Talismann


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