Opulente Massenszenen

Dienstag, 25. Juli 2017

Opulente Massenszenen

Straubing. (su) Opulente Massenszenen mit mehr als 80 Mitwirkenden auf der Bühne, ganz intime Bilder und auch allerhand Komik und Klamauk zeichnen die Vorstellungen des „Bayrischen Jedermann“ auf der Reitertreppe des Straubinger Herzogsschlosses aus. Der kalte Blick des Todes lässt im wahrsten Sinne des Wortes einen Blick auf die Vergänglichkeit des menschlichen Seins zu. Der Agnes-Bernauer-Festspielverein hat mit diesem Projekt bei den Zuschauern genau ins Schwarze getroffen, denn auch die Heiterkeit kommt nicht zu kurz und das ungewöhnliche Ende ist mehr als versöhnlich.

Beeindruckend dabei sind neben dem Schauspiel Licht und Ton.

Zwei Kilometer Kabel für das Licht wurden im Innenhof des Herzogsschlosses verlegt und noch mal rund 200 Meter für den Ton, um Tod und Teufel, Buhlschaft und Jedermann richtig feurig zu beleuchten. Am Sonntag, 30. Juli, um 21 Uhr, ist eine Zusatzveranstaltung zu den ausverkauften regulären geplant. Für Unterhaltung bis zum Beginn des Stücks sorgen ab 20 Uhr die FlipFlops, die bekannte Straubinger Gauklertruppe. Restkarten für die Zusatzvorstellung gibt es im Leserservice des Straubinger Tagblatts, Telefon 09421/940 6700.

Tod schmeißt Pfirsich weg“, der fein säuberlich notierte Hinweis heißt: Einsatz für Licht und Ton bei der Jedermann-Aufführung des Agnes-Bernauer-Festspielvereins im Herzogschloss. 97 verschiedene Licht- und nochmal ungefähr so viele Toneinsätze gibt es. Damit die Zuschauer vor Blitz und Donner erschrecken, die Toten in düster blaues Licht getaucht werden, die Teufel im Rotlicht martialisch kreischen können oder der schnöde Mammon sein goldenes Gesicht in allen Farbfacetten zeigen kann, dafür sorgen die Spezialisten, die im Herzogschloss verborgen an ihren großen Spots verbeilugen, eine Hand am Textbuch mit Anmerkungen zu Tod und Pfirsichen, die andere an Ton- und Lichtreglern.

Zwei Kilometer Kabel für das Licht wurden im Innenhof des Herzogschlosses verlegt und noch mal rund 200 Meter für den Ton. „Übersichtlich“ und „das ist nichts“, kommentieren die Profis, die bei großen Fernsehproduktionen schon mehr Kabel verlegen mussten. Michael Leibl (Licht) und Wolfgang Herrein (Lichtdesign) sowie Thomas Schwarzensteiner sind Fans des Festspielvereins. Truppe und Stück gefallen sehr gut, man kennt sich seit Jahren, „von der Agnes“. Aber vielleicht auch, weil neben den Schauspielern die Licht und Soundeffekte zusammen mit der gigantischen Reitertreppe quasi auch Hauptdarsteller sind. Theaterarbeit sei immer eine schöne Herausforderung, erklären Leibl von der Firma WYWIWYG und Schwarzensteiner von Stereo Mike.

58 Scheinwerfer sind aufgebaut, keine einzige Lampe ist dabei, „alles intelligentes Licht“, erklärt Michael Leibl. Seine LEDs hat er eineinhalb Tage aufgebaut und „zwei Nächte lang programmiert“. Das geht nur, wenn die natürlichen Lichtverhältnisse so sind, wie sie auch bei der Aufführung („hoffentlich“) vorherrschen. Mit dem Licht, kann er bewusst nach Regieanweisung Personen „in das Rampenlicht“ setzen, andere aus der Handlung kurz oder länger herausnehmen und zusammen mit dem Ton die richtige Stimmung setzen.

 

Aggressiv werden ist leicht

Eine aggressive Stimmung zu erzeugen sei leichter als eine positive. Böse bedeutet hell, grell und schnelle harte Wechsel. Für nette Liebesszene oder charmante Familienszenen kann man gern ein bisschen „golden Amber“ geben und mit Schatten arbeiten. Also absichtlich etwas nicht beleuchten. Alles mit Fingerspitzengefühl.

Da greift natürlich der Ton mit ein. Mit Höhen und Tiefen kann man Schauspielern subtil mehr Aussagekraft geben und manchen, der zu leise spricht, ein bisschen unterstützen. Angstgefühle kann man auch zaubern, erklärt Schwarzensteiner. Der Tod bekommt immer „einen metallischen Grundton“. Sein Schaltpult ist noch größer, aber der Rechner hat viel eingespeichert, und nach dem richtigen Einsatz mit Knopfdruck werden Soundeffekte, teils mit programmierter Verzögerung, abgespielt. Bei Gewitter spielt Schwarzensteiner Luft-Schlagzeug – genau im Takt, diese Blitze und Donner hat er im Kopf, „alles selbst gemacht“.

Geheimwaffe: Licht aus

Ob man hässliches auch schön bekommt oder umgekehrt? „Sicher“, erklären beide und grinsen: „Spätestens, wenn man das Licht ausmacht.“ Beide haben Lieblingsszenen, für das Licht ist es der schneeweiße Tod, der nichts sagt, der Ton mag die Mutter-Szene, „die ist so eindringlich“. Die eigentliche Schwierigkeit sei, „die Qualität bei jeder Vorstellung gleich zu halten“.

Am optimalen Aufbau, bei der Länge der bespielten Fläche vor allem für den Ton eine kleine Herausforderung, kann und muss man bei den Proben viel feilen. Wissen, Erfahrung und Muskelschmalz sind da von den Veranstaltungstechnikern gefordert. Später dann eineinhalb Stunden viel Konzentration für die Einsätze, dafür gibt es aber Merksätze – mit Pfirsichen oder anderen Requisiten.

Schwierig sind Textaussetzer

Langweilig wird es nicht, dafür muss man immer aufpassen und so viele Aufführungen sind es eh nicht. Am Rande bekommt man eine Aversion gegen „My fair Lady“ mit, das Stück musste man 120 Mal begleiten. Ein 121. Mal will, „bei aller Liebe“, das Musical keiner mehr sehen. Zusätzlich bewaffnet haben sie sich für jede Jedermann-Vorstellung mit Haribo-Schnuller-Lutschern, Witzen über das Finanzamt, das sie stundenlang im Blick haben, und vor allem mit vielen Wasserflaschen, meist herrscht schwüles Wetter. Schwierig wird es nur, wenn „einer da unten“ einen Teil seines Textes überspringt. Wenn die Szene umgeschmissen wird, müssen Licht und Ton sofort reagieren. „Aber die Agnes-Leut san guad“, das passiert also selten. Aber darauf muss man immer gefasst sein. Ein Aufführungsabend kann lang sein, eine Stunde vor dem Einlass ist man in der Regel da, und bis alle weg sind, solang muss es Licht geben, kann es nach dem Schlussapplaus noch eineinhalb Stunden dauern. Startsignal für den Jedermann und alle anderen Mitspieler ist aber kein Ton oder Lichtsignal. Wenn der Einlass über Funk meldet, dass alle Gäste sitzen, wird von Schwarzensteiner ein Fähnchen geschwenkt, das kann kein Zuschauer sehen, aber die Agnes-Jedermänner und -frauen marschieren dann los – in ein gut beschalltes Rampenlicht, mit Pfirsichen und gut gelaunt, aber trotzdem wartet der Tod.

Von Ulli Scharrer – Straubinger Tagblatt

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