Schicksal der Bernauerin neu aufgerollt

Samstag, 4. Juni 2011

Schicksal der Bernauerin neu aufgerollt

Straubinger Tagblatt, 04.06.2011, von Monika Schneider-Stranninger

 

In drei Wochen ist Festspielpremiere Ab 24. Juni 19 Aufführungen im Hof des Herzogschlosses – Diskussionsstoff garantiert

Wenn man einen Straubinger nachts aufweckt und nach der Agnes Bernauer fragt, kann er sicher auf Anhieb wenigstens ein paar Klischees über die Baderstochter aus Augsburg und ihr Ende in den Fluten der Donau herunterspulen. Eine Gelegenheit der Auffrischung um mehr als nur das Klischee steht kurz bevor: In drei Wochen – am 24. Juni – beginnen die Agnes-Bernauer-Festspiele. Im Hof des Herzogschlosses gehen die Proben in die entscheidende Runde. Wer abwinkt, „hab’ ich schon mal gesehen“, wird sich die Augen reiben: Neue Inszenierung, neuer Text, neue Bühne, neue Perspektive auf die dramatische Geschichte, neue Rollen, neue Schauplätze, eine Reihe neuer Kostüme, viele nicht wegzudenkende und natürlich neue Gesichter.

Donnerstagnachmittag im Schlosshof. Vier Stunden wird schon geprobt, immer wieder finden sich neue Akteure ein. Schichtwechsel eines ausgeklügelten Plans. Rund 200 Leute – davon 82 Sprechrollen – auf und hinter der Bühne gilt es zu dirigieren. Roger Boggasch führt heute in Vertretung von Johannes Reitmeier Regie. Die Chemie zwischen ihm und den Schauspielern stimmt. Es ist ein intensiver Austausch – Worte, Gesten, Mimik. Rollentausch. Eins die zweite, dritte, vierte…

Agnes im schwarzen Strickkleid anno 2011 und langem Probenrock aus Futterseide, vor noch unverkleideten metallenen Säulen des Bühnengerüstes, lässt sich vom Karmelitenprior die Beichte abnehmen, Böses ahnend. Ein kalter Wind pfeift, es brauen sich bedrohliche Gewitterwolken zusammen. Ideale Choreographie für dieses Drama, wenn sich auch Festspielvereins-Vorsitzender Dr. Hubert Fischer solches Wetter gewiss nicht für die Zeit von 24. Juni bis 24. Juli wünscht.

Proben-Countdown

Noch zehn Proben bis zur ersten Hauptprobe in der Premierenwoche, bilanziert er. Zum Teil gehen die Proben von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr nachts. Der Festspielfunke ist längst übergesprungen, die Stimmung gelöst. Und fürs leibliche Wohl sorgt das vereinseigene Catering. Wurstsemmeln und Erdbeerkuchen werden über Agnes’ Grabplatte, die auf der schrägen Bühnenfläche das ganze Stück über präsent ist, balanciert. Und jede Menge Kaffee.

Dr. Hubert Fischer ist optimistisch. Alles läuft nach Plan. Innerhalb zweier Probenwochen sei das Stück in Grundzügen gestanden. Seitdem ist Feinarbeit angesagt. Und er ist gespannt, denn das neue Stück berge Diskussionsstoff, da ist er sicher. Blond sei die Agnes, aber dann werde das Klischee schon verlassen. Noch stärker als bisher werde herausgearbeitet, wie ungeheuerlich Albrechts Hochzeit mit der unstandesgemäßen Baderstochter gewesen sei, in welche Abgründe das den alten Herzog Ernst stürzte, der gerade den Tod enger Verwandter zu beklagen und einen Krieg am Hals hatte. Deshalb wird Agnes’ Schicksal aus ungewohnter Perspektive aufgerollt: Zuerst ihre Verurteilung, ihr Tod, dann in Rückblenden, wie es dazu kam. Das Volk, sagt Dr. Fischer, erfülle eine ganz andere Rolle jetzt, es interpretiere das Geschehen und führe auf neue Szenen hin.

Messlatte noch höher

Der Anspruch an die Schausteller sei noch eine Messlatte höher als schon vor vier Jahren, bestätigten unisono einige, die damals auch schon mit von der Partie waren. Textdisziplin ist für manchen die größte Herausforderung.

Vier mal hatte die Reitmeiersche Neufassung des Festspiels seit 1995 Erfolg. Es sei Zeit, dem Publikum Neues zu bieten, meint Dr. Hubert Fischer. „Jetzt sind wir in der glücklichen Lage, zwei Festspieltexte zu besitzen.“ Die restaurierungsreife Bühne habe zudem nach einer Lösung verlangt. Wermutstropfen: Der Verbleib der beiden Bäume im Schlosshof, die der Verein gerne hätte ausgraben und nach den Festspielen wieder einsetzen lassen, kostet 200 Zuschauerplätze. Statt 1300 finden nur 1100 Platz. Erwartet werden 20000 Gäste.

Auch wenn die Erfahrung zeigt, dass die Hälfte der Eintrittskarten von Auswärtigen erstanden werden, sind jetzt die Straubinger gefordert, die ausgetretenen Zuschauer-Pfade zu verlassen: „Hab ich schon mal gesehen“ gilt nicht, denn was in drei Wochen auf die Bühne kommt, ist eine neue Perspektive auf eine scheinbar altbekannte Geschichte, die noch einige spannende Facetten mehr zu bieten hat.-mon-

Karten für die Agnes-Bernauer-Festspiele vom 24. Juni bis 24. Juli gibt es im Vorverkauf im Leserservice des Straubinger Tagblatts, Tel. 09421/940-6700. Gespielt wird jeweils mittwochs, freitags samstags und sonntags, 20.30 Uhr (Ende ca. 23 Uhr). Es gibt noch Karten für alle Aufführungen, jedoch nicht mehr in allen Kategorien.

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