Straubinger Dr. Hubert Fischer wird 75

Montag, 21. Februar 2022

Straubinger Dr. Hubert Fischer wird 75

MIME, MEDIZINER, MANAGER

Der Vorsitz des Agnes-Bernauer-Festspielvereins ist kein Allerweltsposten in der Straubinger Vereinslandschaft. Monatelange logistische Vorbereitungen, aufreibende Proben, vier Wochen lang Festspiel-Aufführungen geballt, Sponsorenverhandlungen, Public Relations bei Medien und Tourismusverbänden, fast 500 Mitglieder bei Laune, bei der Stange und das Geld zusammenhalten und die festspielfreien Jahre im Gespräch bleiben. Ganz schön viel für ein Ehrenamt, kein Wunder, dass dafür die Bewerber nicht gerade Schlange stehen. Dr. Hubert Fischer hat dieses Ehrenamt zwei Jahrzehnte innegehabt. 2017, nach einem überstandenen gesundheitlichen Schuss vor den Bug, hat er den Vorsatz gefasst, seine universell eingesetzten Managementqualitäten künftig dosierter einzusetzen. Er hat angekündigt, nicht mehr als Festspielvereins-Vorsiteznder anzutreten und strategisch weitsichtig wie diskret diplomatisch in Karl Weber einen zuverlässigen Nachfolger als Fels in der Brandung gefunden. Der Verein hat ihm das ebenso wie seine 20 Jahre herzoglicher Regentschaft – ohne Adels-Allüren hochrespektiert, geschättzt und gemocht – mit der Würde des Ehrenvorsitzes gedankt. Im selben Jahr hat er das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Am Montag wird Dr. Hubert Fischer, der 30 Jahre als niedergelassener Kinderarzt in Straubing praktizierte, 75 Jahre jung.

Der Vorsatz, seine Managementqualitäten zu dosieren, ist eine Frage der Perspektive. Couch-Potatoes werden jedenfalls aus dem Staunen nicht herauskommen. Sein Pensum ist wohl das verlässlichste Zeichen, dass es ihm gut geht. Er hat zwar 2019 den Vorsitz des Aufsichtsrats der Volksbank Straubing niedergelegt und wie gesagt keine neue Amtszeit mehr als Festspielsvereins-Vorsitzender angetreten. Er unterrichtet aber nach wie vor – und das seit 25 Jahren – Kinderheilkunde an der Krankenpflegeschule des Klinikums St. Elisabeth. Seit vergangenem Jahr hilft er als Impfarzt für die Kassenärztliche Vereinigung mehrmals im Monat in Dingolfing aus, vor allem wenn es um Kinderimpfungen geht.

Zwischenzeitlich ist er Mitglied des Kirchenvorstands der evangelischen Christuskirche, Mitglied des Finanzausschusses und Vorstandsmitglied der dortigen Kirchenstiftung und im Organisationsteam des kultverdächtigen Entenrennens und seit 2021 Vorsitzender des Fördervereins der Christuskirche. Außerdem bereitet er in seiner Funktion als Ceremonienmeister gerade mit der Schlaraffia, der er seit 2001 angehört, deren pandemiebedingt auf heuer verschobene 100-Jahrfeier vor. Und neben all dem kümmert er sich in Absprache mit dem heutigen Vorstandsteam um das logistisch herausfordernde Großprojekt des Agnes-Bernauer-Festspielvereins, den dem Verkauf des Karmelitenklosters samt umstehender Gebäude geschuldeten Umzug des umfangreichen Fundus von der Fürstenstraße ins Herzogschloss.

Hört sich nach Tagen an, die mehr als 24 Stunden haben müssen. Oder nach einem, der tut, was ihm Freude macht. Wahrscheinlich deshalb hat Dr. Hubert Fischer beim Gegenüber nie den Eindruck eines (Ab-)Gehetzten hinterlassen und tut es heute erst recht nicht. Dass er sich nebenbei darauf versteht, überzeugend die Fassade zu wahren, darf bei einem, der von 1999 bis 2015 den Herzog Ernst auf der Festspielbühne gegeben hat, vorausgesetzt werden. Und da ist auch noch der Rückhalt seiner Frau Edeltraud, die nicht zufällig auch mit dem Festspiel-Virus infiziert und obendrein musik-affin ist. Denn auch da hat Dr. Fischer ein Faible. Von 1982 bis 1992 hat er bei Dr. Jazz den Kontrabass gespielt.

Als Festspiel-Vereinsvorsitzender war er 1996 in die Fußstapfen von Reinhold Perlak getreten, der damals vom Herzogsthron auf den OB-Sessel wechselte. Ein Festspielneuling war er nicht, als 16-Jähriger spielte er erstmals mit. Er mimte auch schon den Herzog Albrecht. In seiner Ära hat sich die Mitgliederzahl des Vereins nahezu verdoppelt. Es wurden 160 Kostüme nach historischen Vorbildern erneuert, die Fundusräume an der Fürstenstraße ertüchtigt, eine neue Inszenierung auf die Beine gestellt, Profis für Bühnenbau und Beleuchtung eingebunden.

Er war und ist immer noch Integrationsfigur des Vereins, hat seinem Nachfolger ein wohlbestelltes Haus hinterlassen und umsichtig zum großen Zusammenhalt dieser bemerkenswert unterschiedlichen Schar beigetragen. Mit Ausflügen und Aufführungen zwischen den Festspieljahren – von Orffs „Bernauerin“ bis zum „Jedermann“.

2009 ist Dr. Hubert Fischer als Kinderarzt in Ruhestand getreten. 1982 hatte er seine Praxis eröffnet und zu einer der größten kinder- und jugendärztlichen Gemeinschaftspraxen in Bayern ausgebaut. Viele Straubinger kennt er von den ersten Lebenswochen an und behandelte oft schon die Kinder der Kinder, die einst bei ihm im Wartezimmer saßen. Berufspolitisch hat er sich über Jahrzehnte für die Anliegen der Kinderärzte starkgemacht.

Als er von 1978 bis 1981 die Facharztausbildung an der Hedwigsklinik Regensburg absolvierte, engagierte er sich für die Einrichtung eines Baby-Notarztdienstes. Bei den damaligen Einsatzfahrten in die hintersten Winkel des Bayerischen Waldes hat er vielleicht ein Rezept für seine nach außen hin nie bröckelnde Gelassenheit gelernt, nämlich kleinste Freiräume auf dem Beifahrersitz für eine Mütze Schlaf zu nutzen. Berufsbegleitend hat er von 1993 bis 1997 eine Psychotherapeutenausbildung gestemmt.

Ausgleich sucht und findet er vor allem bei Fernreisen und Kreuzfahrten mit seiner Frau in alle Welt, zuletzt 2019 nach Kanada und Neufundland mit USA-Ostküste und 2018 nach Grönland. Konzert- und Opernbesuche in den ersten Adressen wie New Yorker Met, Oper von Sidney, Mailänder Scala und Teatro la Fenice in Venedig sind für beide Glanzlichter. Heuer hoffen sie auf den Besuch der Salzburger und Bregenzer Festspiele.

Die Studienfreunde, die 2012 aus der ehemaligen akademischen Studiengenossenschaft hervorgingen, verzeichnen auch dank seiner Ideen wieder Konstanz. Ganz nebenbei ist der Vater von drei Kindern Großvater von 13 Enkeln im Alter von 23 Jahren bis vier Monaten, von denen die Älteste bereits verheiratet und der Jüngste gerade getauft wird. Familienintern ist er natürlich gefragte Anlaufstelle als Kinderarzt und wohldosiert gerne Animateur für die Enkel.

Wir wünschen ihm Gesundheit, dass seine Ausgeglichenheit nie nur Fassade ist, und dass sich an einem nun mal nur 24-Stunden-Tag alles locker unterbringen lässt, was ihm wichtig ist. Und das ist viel.

Quelle: Straubinger Tagblatt v. 21.02.22 – Monika Schneider-Stranninger

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