Theorie: Jede siebte Festspielsaison verregnet

Samstag, 23. Juli 2011

Theorie: Jede siebte Festspielsaison verregnet

Straubinger Tagblatt, 23.07.2011, von Monika Schneider-Stranninger

 

Die zwei letzten Aufführungen: Jetzt erst recht Wasserspielen zum Trotz – Wie geht’s? 
Agnes sitzt gerade beim Hof-Friseur, lässt sich ihre blonden Locken auf Mittelalter stylen und hofft auf den Werbeslogan „und die Frisur sitzt“ – auch wenn es Schnürl regnet. Rüdiger Kuchler, der als Graf Sedlec auf der Bühne steht, ist aus Frust tief in die Festspielhistorie eingetaucht und hat geforscht, wieviele Wasserspiele á la 2011 es schon gegeben hat. Sein verblüffendes Ergebnis: Jedes siebte Festspiel seit 1954 war verregnet. Der Trost: So etwas droht dann erst wieder 2039.

„Agnes Bernauer barfuß im Regen“ hieß 1980 eine Schlagzeile. Damals mussten offenbar mehrere Aufführungen abgesagt und die Festspielzeit verlängert werden. Rüdiger Kuchler hat entsprechende Zeitungsausschnitte gesammelt und im Wappensaal auf eine Tafel geklebt. Zur Aufmunterung, dass es anderen Ensembles auch schon nass rein ging. Seinen Nachforschungen zufolge waren die Festspiele 1954 verregnet, dann war sechsmal Schönwetter. Erst 1980 waren die Festspiele wieder Wasserspiele. Dann gab es 1984, 1989, 1995, 1999, 2003 und 2007 gute bis durchwachsene Saisonen. Und dann wieder das verflixt siebte Jahr (Mal). 2011 Regenzeit. Sein Fazit: „Schöne Aussichten.“ Ob seine Theorie stimmt, können die heutigen Pagen, Küchenjungen und Junker dann als gestandene Erwachsene im Ensemble beim Festspiel 2039 überprüfen. „Ja, damals, der Sedlec, der hat uns das schon 2011 prophezeit.“

Wir fragten im Kreis der Hauptdarsteller, wie es denn so geht, kurz vor dem Finale der Festspielsaison 2011.

An der Substanz gekratzt

Unheimlich schnell sei die Zeit vergangen, sagt Herzog Albrecht (Franz Aichinger). Der Regen habe an der Substanz gekratzt, gibt er zu, aber dennoch hat er jede Aufführung als „Highlight“ empfunden. „Alle waren voll dabei. es war ein toller Zusammenhalt. Es hat Spaß gemacht.“ Mit einem lachenden Auge freut er sich aufs Finale am Sonntag, „endlich nicht mehr wetterabhängig sein“. Er freut sich schon auf die Probenarbeiten bei der Volksbühne, wo er als nächstes engagiert ist. „Auf der trockenen Bühne im Stadttheater, da kann es draußen schneien, regnen, stürmen wie es will.“ Ein weinendes Auge hat er, weil es jetzt heiße, zurück im Alltag zu sein. Begeistert haben ihn die Zuschauer, die selbst bei strömendem Regen und Gewitter ausharrten und mitgingen – „das waren sehr intensive Momente“ – und vor allem Kinder, die zum Teil sogar um Autogramme baten.

Agnes Bernauer (Freya Hupf) fand den Regen „gar nicht so schlimm, gerade bei Regen war das Feedback der Zuschauer sehr groß. Das Publikum zollte Respekt, dass wir durchgespielt haben“. Sie ist über die Resonanz überrascht. Es seien sogar lobende Briefe gekommen. Die Spielermoral sei sehr hoch, der Regen habe alle noch mehr zusammengeschweißt. Die Festspiele und die Mitspieler werden ihr „superstark fehlen“, ist sie schon jetzt sicher. „Jetzt könnten wir leicht einmal pro Woche weiterspielen.“ Und sie ist stolz, dass sie den logistischen Marathon geschafft hat, wochentags in München in einer Grundschule zu unterrichten, die Zeugnisse zu schreiben und an jedem Aufführungstag trotz Staus pünktlich da zu sein. Bis zu 2000 Kilometer pro Woche ist sie gefahren, rechnet sie vor. Aber, sagt sie, sie wusste, worauf sie sich einlässt. „Johannes Reitmeier hat mich beim Casting gefragt, wie ich mit dem Schlafmangel zurecht kommen werde“, erzählt sie. „Wer braucht schon Schlaf?“ habe sie entgegnet. Am Wochenende machen ihre Lehrerkollegen einen Ausflug nach Straubing und schauen ihrer Agnes zu. Die 1. Klasse, deren Klassleiterin sie ist, ist übrigens mächtig stolz, dass ihre Lehrerin „eine Prinzessin“ spielt. Das möchten die Mädchen natürlich alle.

Angst um die Stimme

„Ich kann nicht glauben, wie schnell die Zeit vergegangen ist“, sagt auch Beatrix (Claudia Griessl). Sie erinnert sich noch, wie sie sich mit Agnes über den Stand der Textsicherheit ausgetauscht hat. Es sei ein „tolles Festspieljahr“ und längst nicht vorbei, denkt sie an die Teilnahme am Volksfestauszug und die Vereinsfahrt nach Kroatien. Der Regen hat ihr zugesetzt, räumt sie ein. Man agiere wegen der Rutschgefahr einfach vorsichtiger. Und habe Angst um die Stimme. „Das wäre der Super-Gau.“ Böse zu sein wie die Beatrix falle bei dem miesen Wetter allerdings leichter, schmunzelt sie. Auch zu den finsteren Gerichtsbildern passe Gewitterstimmung. Am schönsten war für Claudia Griessl die Premiere, am schlimmsten eine bestimmte verregnete Vorstellung. „Mein Samtkleid hat sich vollgesaugt und ich hatte Wasser in den Schuhen.“

Herzog Ernst (Dr. Hubert Fischer) gibt unumwunden zu, dass das Wetter mittlerweile an den Kräften zehrt. „Das Spielen macht großen Spaß, da hätte ich noch Potential, aber die tägliche Entscheidung und Zitterpartie, ob gespielt werden kann oder nicht, das nervt.“ Nur was das angehe, sei er froh, wenn es vorbei ist. Am schlimmsten war für ihn, am Mittwoch das Spiel absagen zu müssen. Der Großteil habe unter der Absage gelitten und „war zu allen Schandtaten bereit, als wir am Donnerstag nachholten. Das Engagement ist gigantisch. Das erfüllt mich mit Freude.“ Genauso freut ihn die Rückmeldung der Straubinger. Wolfgang Knorr vom Hotel Röhrl hat kürzlich zu ihm gesagt: „Das, was ihr heuer macht, sind fast Passionsspiele, weil wir alle mit euch mitleiden, wenn das Wetter nicht passt.“

„Mir geht’s gut“, sagt Ritter Hans von Degenberg (Bernd Vogel) und meint lakonisch „ist halt Festspielwetter“. Sein Immunsystem jedenfalls funktioniere. Große Traurigkeit werde sich am Montag einstellen, wird er ein bisschen theatralisch, schließlich sei dann wieder vier Jahre Schluss. „Jetzt, wo ich den Text endlich kann“, grinst er. Am schlimmsten fand er den Regen für die Mitspieler aus der Badeszene, am lustigsten fand er slapstickartige Rutschpartien von Ritter Jörg von Gundelfingen, ist er ein bisschen schadenfroh. Die Resonanz auf die Neuinszenierung, die er erfuhr, habe „von null bis hundert“ gereicht, sagt er. Ihm selber gehen die Pferde ab, „die haben einfach etwas Majestätisches, Archaisches und riechen so gut“. Worauf er sich freut? „Schlafen, ausschlafen.“ Er stutzt. „Jetzt kommen die Proben von „Schwimm Agnes, schwimm“ und dann kommt das Volksfest. Ich fürchte es geht genauso weiter.“

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