Traumrolle bleibt der Henker

Mittwoch, 6. Juli 2011

Traumrolle bleibt der Henker

Straubinger Tagblatt, 06.07.2011, von Monika Schneider-Stranninger

Andreas Ramelow ist zehn Jahre, spielt aber schon zum dritten Mal beim Agnes-Bernauer-Festspiel mit 

Von M. Schneider-Stranninger.
Er ist erst zehn Jahre alt, hat aber schon dreimal bei Agnes-Bernauer-Festspielen mitgewirkt. Den Straubinger Andreas Ramelow hat wie seine Mutter Ingrid der Festspielvirus gepackt und nicht mehr losgelassen. 2011 steht Andreas als Junker und seine Mutter wie immer als Bürgersfrau auf der Bühne. Das neue Stück gefällt dem Viertklässler sehr sehr gut, sein Kostüm noch mehr, am besten gefällt ihm aber immer noch die Rolle des Henkers. Die möchte er irgendwann selber spielen, das wusste Andreas schon als Sechsjähriger.

An sein erstes Engagement bei den Festspielen, 2003, kann er sich nicht mehr erinnern. Da war Andreas zweieinhalb. Die Oma hatte ihm eigens „ein Hängerchen“ geschneidert, weil es gar keine so kleinen Kostüme gab. Auch die Schuhe waren selbstgebastelt. Ingrid Ramelow hatte damals garnicht damit gerechnet, mitspielen zu können, aber der Verein hat sie auf die Idee gebracht, das Kind doch einfach mitzubringen. Andreas verhielt sich professionell, war ganz brav, knabberte auf der Bühne an einer Möhre oder einem Apfel und knüpfte erste Freundschaftsbande mit dem Henker, vor dem er sich nie fürchtete. Im Gegenteil, beim Volksfestauszug durfte er inzwischen im Pulk des Festspielvereins an der Seite des Henkers mitmarschieren, quasi als Berufsnachwuchs. Und der Henker hat ihm ein paarmal ein Überraschungsei spendiert.

„Das Schönste ist das Verbeugen und der Applaus“ erzählte Andreas vor vier Jahren. Und auch heute bleibt er mit seiner Mutter bis zum Schluss der Aufführung. Mitternacht wird es da schon, bis die beiden heimkommen. Andreas ist froh, dass ihm die Ulrich-Schmidl-Schule erlaubt, am Morgen nach Aufführungstagen – also montags und donnerstags – eine Stunde später zum Unterricht zu kommen. „Wir haben per e-mail Antrag gestellt“, schmunzelt seine Mutter. Das helfe schon weiter. Und die bisherige erprobte Logistik der beiden tut ein übriges. Nachmittags von 16 bis 18 Uhr legt sich Andreas zwei Stunden freiwillig aufs Ohr. Seine Lieblingsszene bei diesen Festspielen ist die Rangelei zwischen den Rittern. Und wenn der Wirt in der Volksszene „Freibier für alle“ ruft, das findet er auch witzig. Fünf mal hat er mit seiner Mutter einen Auftritt. Zwischendurch und vor allem vor Beginn hilft er mit, die Bühne zu putzen, wenn es geregnet hat. „Damit es nicht so rutschig ist.“

Die Zeit dazwischen verbringen die beiden hinter der Bühne an der Reitertreppe. „Wir haben dort zwei Klappstühle deponiert“, sagt Ingrid Ramelow. Ein bisschen leid tut es Andreas, dass er in den Auftrittspausen wegen der neuen Bühne nicht mehr im Wappensaal Karten oder „Mensch ärgere dich nicht“ spielen kann.

Dieser Tage wird er in der Schule ein Referat über die Agnes Bernauer halten. Er will erzählen, wann die Agnes geboren ist, wo sie Albrecht kennengelernt, wann sie geheiratet hat und wie ihr Ende war, das ihm ganz und gar nicht gefällt. Interessant findet er, wie man damals gelebt hat, im Mittelalter. Dass es keine Dusche gab und keine Waschmaschine. Er ist der einzige Schüler seiner Schule, der mitspielt, stellt aber fest, dass das Interesse bei seinen Mitschülern wächst. Vielleicht spielt der eine oder andere das nächste Mal auch mit.

Andreas kennt die Einsätze vieler Mitspieler und kann ihren Text auswendig, erzählt seine Mutter. Der Henker jedenfalls bleibt Andreas Lieblingsrolle, „weil der so geheimnisvoll ausschaut“. Aber natürlich gefällt ihm auch der Albrecht, nicht nur weil „der so schöne Mäntel hat“ und bei diesen Festspielen angesichts der Kältewelle jeder beneidet wird, der mit Mantel einen Auftritt hat. 2015 hat Andreas jedenfalls schon im Visier, „wenn es die Schule zulässt“. Wetten, dass…

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