Was wäre Theater ohne Lampenfieber?

Montag, 6. Juni 2011

Was wäre Theater ohne Lampenfieber?

Straubinger Tagblatt, 06.07.2011, von Monika Schneider-Stranninger

Um den Festspielnachwuchs braucht einem nicht bange zu sein – Von Anna-Lena, Michael und Kristina

Eine ganze Reihe Kinder und Jugendliche wuselt vor Vorstellungsbeginn im Wappensaal. Es sind Edelfräulein, Pagen und vor allem Kinder aus dem Volk. Um die künftigen Festspiele braucht es dem Verein bei so viel engagiertem Nachwuchs nicht bange zu sein. Einige Beispiele…

Zum ersten Mal beim Festspiel mitwirken darf Anna-Lena Kallmünzer aus Atting. Die Zehnjährige ist ganz stolz, dass sie im zehnten Bild, wenn Agnes vom Volk in Straubing herzlich empfangen wird, einen Blumenkranz überreichen darf. Eigentlich, sagt sie, hatte sie sich eine Sprechrolle gewünscht, aber mit ihrer jetzigen Aufgabe ist sie auch sehr zufrieden. Vor Aufführungsbeginn und in der Pause betätigt sich Anna-Lena als Programmverkäuferin. Da ist sie sehr findig, gibt sie zu und grinst. Zwei Euro kostet ein Heft, „zwei fünfzig mit Trinkgeld“, sagt sie dann und an das Mädchen, das sie beim Verkauf begleitet, denkt sie auch gleich. „Weil wir zwei sind, geben die meisten drei Euro.“ Wer könnte einem so charmant formulierten Angebot widerstehen? Das Trinkgeld spart sie für den Urlaub, sagt Anna-Lena. An ihre Rolle ist sie über Dr. Hubert Fischer gekommen, der bis zu seinem Ruhestand ihr Kinderarzt war. Da hat die Mutti einfach mal angefragt. Und anfreunden kann sie sich auch damit, nach den Aufführungstagen jeweils eine Stunde später zur Schule zu gehen. Lampenfieber? „Nur bei der Premiere“, sagt sie. „Dann gewöhnt man sich dran.“ Dass sie noch einmal mitspielen will, weiß sie schon jetzt. „Am liebsten als Edelfräulein.“

*Als „Kind aus dem Volk“ steht Michael Eschbach aus Rain auf der Bühne. Der Zehnjährige ist auch das erste Mal dabei, allerdings nicht allein. Der Vater spielt einen Landsknecht und sein Bruder einen Jugendlichen aus dem Volk. „Mein Papa wollte mitspielen, da sind wir alle zum Verein gegangen.“ Michael steht bei allen Mitspielern hoch im Kurs, denn er macht sich nützlich, wo er nur kann. Er wischt vor der Vorstellung reihenweise regennasse Zuschauersitze ab, hilft die Bühne putzen und schleppt gerne Requisiten, und wenn es Stühle sind, die fast größer sind als er selber.

Seine Lieblingsfigur auf der Bühne ist Graf Jan Sedlec, Albrechts Hofmeister (Rüdiger Kuchler), „denn das ist mein Lehrer an der Volksschule in Rain“. Wie Anna-Lena hat Michael Schul-schauspiel-Erfahrung. Anna-Lena hat bereits einmal die Festspiele gesehen. „Wir haben Agnes Bernauer im Unterricht durchgenommen“, erzählt Michael.

*Kristina Kohlhäufl (11) ist auch familiär vorbelastet. Ihr Vater Rupert Kohlhäufl stand bei den vorhergehenden Spielen als Sprecher, als Mönch Heinrich und diesmal als Albrechts Kammerdiener auf der Bühne. Sie hat auch selber Theatererfahrung, spielte mit dem Papa im Theater im Paul in Dickens Weihnachtsgeschichte und beim „Münchner im Himmel“. Vor vier Jahren durfte sie schon mal im Volk mitspielen, aber weil sie heuer aufs Ludwigsgymnasium übertrat, und gerade während der Festspielzeit viele Schulaufgaben und Exen stattfinden, beschränkt sie sich diesmal aufs Programmverkaufen. Und freitags und samstags, wenn am nächsten Tag keine Schule ist, mischt sie sich unters Volk auf der Bühne.

Besonders gut gefällt ihr die Bettlerin im Bild 11. „Die hat was“, meint sie anerkennend, und deren Kostüm gefällt Kristina auch ganz besonders. Ihren Vater findet sie am witzigsten, wenn er bei der Liebesszene von Agnes und Albrecht in der Badstube in Bild 2 vor lauter Verblüffung in einen Badezuber fällt. Die Auftritte ihres Papas kennt sie aus dem Effeff. Sie weiß, wann sie ihn hinter der Bühne treffen kann, denn dort, verrät sie, stünden Bildschirme, auf denen man das Bühnengeschehen mitverfolgen kann. Vielleicht, meint sie, kann sie 2015 ein Edelfräulein spielen. Vorm Lampenfieber ist ihr nicht bange. „Die Spannung gehört dazu, da würde was fehlen.“-mon-

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